#Türkisches #Referendum: x für u – oder das „interessante“ Spiel mit Zahlen

Den Leuten ein X für ein U vormachen – wo ist die Zeitung, die diesen Druckfehler zugibt?
(Karl Kraus 1874 – 1936)
Was wird zur Zeit nicht alles über das türkische Referendum geschrieben.  Unumwunden macht mir das Referendum große Sorgen. Wie wird es in der Türkei weitergehen? Welche  Auswirkungen wird das  auf die türkische Demokratie haben? Wie wird sich der NATO Bündnispartner entwickeln?
Und nicht zuletzt: welche Auswirkungen wird dieses  Referendum für Deutschland haben?
 Auf all diese Fragen wird es erst in absehbarer oder fernerer Zukunft Antworten geben.
 Was mich aktuell in Rage versetzt ist jedoch die Berichterstattung der deutschen Medien. Was ist das für eine Unverfrorenheit zu behaupten, dass die Mehrheit der Türken in Deutschland für ihren nationalistisch orientierten Präsidenten gestimmt haben?
Die Faktenlage sieht wie folgt aus: nur die Hälfte aller in Deutschland lebenden Türken sind zur Abstimmung an die Wahlurnen  getreten. Ja, richtig. Mehrheitlich haben diese für Erdogan  gestimmt.
 Das bedeutet jedoch: ca.  461.000 Türken haben mit Ja gestimmt.
Geht man nun von 1.4 Mio Türkinnen und Türken in Deutschland aus, so hat nicht die Mehrheit für Erdogan gestimmt.
 Nun fragt man sich, warum machen die Medien uns ein X für ein U vor?
 Hierzu kann man nur Hypothesen bilden.
  1. Man betreibt Stimmungsmache und kann somit die Auflagen steigern – zumal vor dem Hintergrund, dass die Printmedien auf dem absteigenden Ast sind.
  2. Journalistinnen und Journalisten, Redakteurinnen und Redakteure übernehmen unreflektiert vermeintliche Fakten der Agenturen.
  3.  Je nach farblicher Couleur in politischer Hinsicht der jeweiligen Zeitung (auch die Radio- und Fernsehanstalten sind hiervon betroffen ), ist dies ein Thema im politischen Superwahljahr, das von politischem Unvermögen gerade in Bezug auf die deutsche Migrationspolitik ablenken kann.
Lösungsvorschlag:
Für mich wäre es spannend zu sehen: Was wäre,  wenn die Politik durch die Medien aufgefordert würde, mehr in der Migrationspolitik zu unternehmen. Sie könnten Hintergrundberichte schreiben. Sich mit Getthoisierungen beschäftigen und nicht zuletzt mit unseren türkischstämmigen Mitbürgerinnen und Mitbürger unterhalten, was ihres Erachtens in Deutschland falsch läuft und somit den Leuten eine Stimme verleihen.
Warum haben sie noch kein Wahlrecht, obwohl sie Steuern be- und in die Sozialkassen einzahlen?
Warum wird sich über Parallelkulturen aufgeregt, aber nichts unternommen, um den Menschen eine Heimat zu bieten. Wie arm ist es, wenn man jetzt uni sono ruft: Dann sollen sie doch nach Hause gehen. Nein. Ihre Heimat ist hier. Fragt doch lieber nach den Beweggründen ihrer Entscheidung. Vielleicht ist es nur Ausdruck dessen, dass man sich hier nicht willkommen und angenommen fühlt, obwohl man in „deutschem“ Pflichtbewusstsein zum Wohl des Staates beiträgt, ohne dabei selbst eine Wertschätzung zu erfahren.
Aber ich verstehe mittlerweile sehr gut. Es geht nie um das EIGENTLICHE. Es ist immer nur ein Vehikel für das eigene Interesse.
Wer solche Fakten blind übernimmt oder wissentlich in die Welt posaunt kann vom Biedermann zum Brandstifter werden.
Und zum Abschluss:
Der Journalismus ist ein Terminhandel, bei dem das Getreide auch in der Idee nicht vorhanden ist, aber effektives Stroh gedroschen wird.  (Karl Kraus, 1874 -1936).
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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Meinung, Politik, rant, Social, zeit im fokus

Eine Antwort zu “#Türkisches #Referendum: x für u – oder das „interessante“ Spiel mit Zahlen

  1. Lieber rurblog, vielen Dank für diesen Artikel. Du sprichst mir aus der Seele! Alles Liebe – Lou

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