Joggen – oder gibt es ein technisches Geschmackserlebnis?

Der Tricorder – auch „Trikorder“[9] geschrieben – ist ein handliches Gerät, das je nach Variante verschiedenste physikalische oder auch medizinische Größen messen kann. Auch lässt sich mit einem Tricorder feststellen, ob sich Personen („Lebenszeichen“) in der näheren Umgebung befinden. (Quelle: 12.5.12GeorgeTakeiByLuigiNovi10wikipedia – Star Trek Technologie).

Ich habe mit wachsender Begeisterung als Kind Star Trek gesehen. Und ganz ehrlich, wer hat nicht davon geträumt irgendwann einmal einen Tricorder zu besitzen?

Nun gibt es schon viele „quantified self“ Gruppen und Apologeten, die sich allenthalben vermessen und dies nach außen  gegen den Vorwurf der ständigen Überwachung dritter verteidigen.
Mir reicht die Messung des  Puls und der Kilometerzahl. An manchen Tagen, wenn ich sehr mutig bin, auch die der Zeit. Natürlich freut es mich, wenn ich auf meinem iphone-tricorder sehe, dass ich eine galaktische Menge an Kalorien abgebaut habe und die Pizza, die natürlich ein Vielfaches dessen was ich gerade an Kalorien abgelaufen habe, mir dann besonders gut schmecken wird.

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Attribution: Luigi Novi

Und da sind wir schon beim eigentlichen Thema. Schmecken! Es gibt Momente im Leben, da entdeckt man ein neues Gericht. Eine Kombination von Zutaten, Gewürzen, Düften, Konsistenzen, die man so noch nie erlebt hat. Es schmeckt einfach fantastisch. Ein AHA-Erlebnis, oft verbunden mit dem Wunsch der Reproduzierbarkeit. Aber ist es nicht ähnlich wie das, was Heroinsüchtige beschreiben. Der erste Kick ist der beeindruckendste und wird nie wieder in der Form erreicht. „The first cut is the deepest.“ Honey I know. Und so ging es mir gestern mit meinem magischen iphone-tricorder. Ich suchte auf meiner Playlist in Spotify meine Laufliste. Hatte mich wohl vertippt und geriet an verschiedene Listen überschrieben mit „LAUFEN“. Nun war ich neugierig. Gibt es spezielle Laufmusik? Ich klickte die Liste an und war erstaunt, als mich eine nicht unsympathische Stimme dazu aufforderte, mich in Bewegung zu setzen. Nach einiger Zeit teilte sie mir mit, dass sie meine Schrittfrequenz erfasst hatte. Nun spielte die nette Dame mir Musik vor, die eine Mischung aus Fahrstuhl- und elektronischer Meditationsmusik war. Aber erstaunlich war der Bass. Dieser korrespondierte mit jedem Schritt, den ich machte. So etwas habe ich nur selten mit Laufpartnern erlebt, die ähnlich groß waren (und davon gibt es nicht viele – lasse Sie jetzt auch gerne in dem Glauben, dass ich sehr groß bin), der Tag musste stimmen, die Ausdauer usw. Also viele Faktoren, die hier auf einmal wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge passte. Ich lief und die „Flow-Musik“ brachte mich wirklich in ein fast fremdgesteuertes Lauferlebnis. Ich war im Flow und hatte dieses Gefühl von …. Geschmackserlebnis. Anders kann ich es nicht definieren. Ein technisches Geschmackserlebnis. Nicht so wie die Nerds, die einen apple Karton öffnen und dann die dort eingeschlossene Luft tief inhalieren, weil der Apple-Neuprodukt-Duft angeblich einzigartig wäre. Nein. Ich schmeckte einen Takt, meinen Takt. Es war ein analysierter Takt.
The first cut is the deepest. Das Nerd-Gefühl eines Laufborgianers riss dann so schnell ab, wie die Föderation per Warpantrieb entfernte Galaxien in sonnenwindeseile erreichen. Zack. Eine Kühle umfing mich. Was war das? Mein Akku war leer. Keine Musik, kein innerer Takt, keine Fremdbestimmung, kein Schwimmen in der Ursuppe mehr.
Ein freiheitlich bestimmter Mensch, der merkt, dass er an der Belastungsgrenze läuft. Kühle. Ausgestoßen. Einach nur. Zack.
Zuhause angekommen, versuchte ich die Systeme wieder hoch zu fahren. Gibt es eine solche Musik auch für den Alltag?
Nach einer fast unerträglich langen Zeit, war das Handy wieder aufgeladen. Meine Laufapp startete. Das Programm fragte nach, ob es den Lauf fortsetzen sollte. Ich bejahte. Was nun geschah, zeigte mir, dass es Grenzen der Technik gibt. Obwohl ich bereits geduscht war und am Schreibtisch saß, zeigte mein tricorder mir meinen Standort mitten im Wald an. Mein Lauf  wurde mit 2 Stunden 47 für 2.37 km angezeigt.

Das war ernüchternd. Beim nächsten Mal werde ich die Laufeinstellung powerbeat nutzen und nicht mehr flow. Dann werden die Zeiten bestimmt auch wieder besser und die Strecken länger. Kein Verharren mehr von Wurmlöchern, die mir vorgaukeln, ich sei unterwegs.

Aber der Gedanke, gibt es ein technisches Geschmackserlebnis, lässt mich seit dem nicht mehr los. Findige Trendforscher werden hierfür bestimmt einen eigenen Terminus entwickeln. Einen Terminus so ähnlich wie Umami.

 

 

 

 

 

 

 

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