Tag 21 – Stockholm

Heute sind wir früh vom Campingplatz aufgebrochen, um nach Stockholm, der schwedischen Hauptstadt zu gelangen. Mehr als 50 Brücken verbinden die 14 Inseln des Archipels miteinander. Hauptaugenmerk haben wir auf die Altstadt Gamla Stan gerichtet.

In Gamla Stan findet sich auch die Nikolaikirche aus dem 13. Jahrhundert. Danach sind wir dann in den moderneren Teil Stockholms gewandert und haben versucht eine Tour durch die Metrostationen zu machen. Da viele der Stationen in Gestein geschlagen sind und dies trist wirkte, hat man sie mit vielen Kunstwerken und besonderen Gestaltungselementen attraktiv herausgeputzt. Leider war das Unterfangen nicht so von Erfolg gekrönt, wie wir uns das gewünscht hatten. Raquel hatte richtig großen Stress mit dem U-Bahn fahren und auch schien es verboten zu sein. So teilten dies viele Hinweisschilder mit, obwohl das Metropersonal uns die Erlaubnis gaben, dass unser Hund es dürfe. Das war eine sehr schöne Auszeichnung für uns, verstieß aber trotzdem gegen das Gesetz. Außerdem wussten wir nicht, ob der nächste Metrobedienstete das ebenso sah. So brachen wir leider dieses Vorhaben ab. Aber aufgehoben ist nicht aufgeschoben.

Installation in einer Metrostation

Wer mehr über die Kunst in der Metro erfahren möchte, sollte unbedingt auf die Seite von https://viel-unterwegs.de/reiseziele/schweden/stockholm/ubahn-kunst-tour/ schauen, denn hier sind unzählige Fotografien in bezaubernder Schönheit zu finden.

In einem Straßenrestaurang – ja so schreibe ich das Wort ab heute Restaurang – denn so wird es in Schweden geschrieben – gab es Fisch und Chips und so leckere Fisch und Chips habe ich noch nie gegessen. Nicht nur, dass das Essen besonders liebenswert dekoriert war, es schmeckte auch besonders. Alles hatte den etwas besonderen Touch. Ob es die Remoulade war, die Pommes, die verschiedenen Salate, die dazu gereicht wurden oder auch einfach nur die Tatsache, dass eine Flasche kalten Wassers ungefragt auf den Tisch gestellt wurde.

Da wir aber den nächsten Stellplatz noch erreichen wollten, damit der Beginn der langen Heimreise etwas abgekürzt wird, sind wir dann um 16:00 Uhr aufgebrochen. Und dies mit dem Gefühl, wie bereits in Oslo. Stockholm, du hast uns nicht das letzte Mal gesehen.

Auch wenn es mich an dieser Stelle unheimlich reizen würde, mehr Bilder online zu stellen, möchte ich diese zuhause gerne noch ein wenig aufarbeiten und dann auf meinem Blog veröffentlichen.

Sind Köln und Berlin schon weltoffene Städte in Bezug auf LBQTG, so wird man in Stockholm erstaunt sein, wie vielfältiges Leben vielfältig, offen und selbstverständlich gelebt wird. Schweden – ein offenes Land mit starken LGBT-Rechten – so lautet der Titel einer Seite, die ich euch empfehlen möchte, wenn ihr mehr zu dem Thema lesen wollt:

https://visitsweden.de/aktivitaten/lgbtq/

Tag 20 – Auto fahren mit 15 – oder die Entdeckung der Langsamkeit

Eigentlich sollten wir nun in Stockholm sein. Aber das konnten wir unserer Hundedame Raquel nicht antun. Bei 34º im Schatten wäre der Ausflug in die schwedische Hauptstadt zur Tortur geworden. So überlegten wir lange, wie wir verfahren sollten. Heimreise langsam antreten, einen Campingplatz für eine Nacht aufsuchen…? So entschlossen wir uns nach Björknäsbadet zu fahren.

Hier haben wir einen einfachen, aber für uns sehr tauglichen Campingplatz vorgefunden.

Noch ein Wort zum letzten Campingplatz. Andrea, Frau loulila (loulila.wordpress.com) hatte sich herzlich für die Gastfreundschaft bei der vorherigen Campingplatzbetreiberin bedankt und verkündet, werden wir nächstes Jahr wieder nach Schweden fahren, dass wir hier mit Sicherheit übernachten werden. Das hatte die Dame sehr gerührt. Man findet immer wieder eine große Herzlichkeit, Ruhe und Ausgeglichenheit in Schweden.

Morgen sollen es maximal 24 Grad bei leichtem Regen werden und auf die U-Bahnhöfe, die kunstvoll gestaltet sein sollen, freuen wir uns sehr. Je südlicher wir kommen, desto voller werden übrigens die Campingplätze bzw. sind teilweise ausgebucht. Das hatten wir bisher auf unserer Reise noch nicht erlebt.

Was wir aber mit Erstaunen erlebten, waren zwei Feuerwehrautos. Beide waren in der Mehrzahl mit Frauen besetzt und wurden jeweils von einer Feuerwehrfrau gefahren. Das habe ich in Deutschland noch nicht beobachten dürfen.

Und nun zu einer Besonderheit, die ich heute nachgelesen hatte, da ich sie noch nicht einschätzen konnte. Auf manchen Autos prangen große rote Dreiecke. Diese sehen aus, als hätte man sie aus der Warndreieckumrandung herausgerissen. Diese Dreiecke sind dann auf die rückseitigen Kennzeichnen der Autos geklebt.

Außerdem sind in Schweden scheinbar provozierend langsam fahrende Autos auf den Landstraßen und durch die Städte unterwegs. Meist lärmend laut aufgrund des ständigen Hupens ihrer Fahrerinnen und Fahrer, der aufgedrehten Musik, Fehlzündungen oder Gegröle. Häufig sind die Autos geschmückt, nicht selten mit schwedischen Fahnen. Darunter finden sich Traktoren, alte umgebaute gedrosselte Volvos oder alte amerikanische, ebenfalls gedrosselte Limousinen.

Des Rätsels Lösung war: In Schweden dürfen Jugendliche ab 15 Jahren Auto fahren, allerdings nur mit 30 km/h. Das Dreieck zeigt einen minderjährigen Fahrer bzw. minderjährige Fahrerin an. Dabei hat sich die Kultur der Langsamkeit auf den Straßen entwickelt. Fahren zu dürfen ist ein großes Privileg für die Jugend und so wird es, wie oben beschrieben, zelebriert. Seit man Autos elektronisch begrenzen kann, finden sich aber auch normale Kutschen unter den Gefährten. Kurios. Auch 72 Porsche sind aktuell auf Jugendliche zugelassen.

Der Grund, warum die Schweden das Gesetz verabschiedet hatten war, dass ihre Kinder außerhalb der Ballungsräume längere Strecken zurücklegen müssen und ihre Eltern sie in alten Volvos, die sich langsam fortbewegen besser geschützt sehen, als auf, beispielsweise, Mofas.

Ja, Herr Söder. Versuchen Sie dies einmal Ihrer Klientel verständlich zu machen, dass Jugendliche mit 30 km/h, von der Bevölkerung gestützt, durch die Gegend zuckeln dürfen. Bei einer Umfrage, warum in Schweden im Durchschnitt die Leute freiwillig 108 km/h statt den teilweise erlaubten 120 km/h fahren, war die überraschende Antwort, dass ansonsten die Umstellung auf Landstraßen mit ihren 80 km/h zu stressig für die meisten Fahrerinnen und Fahrer sei.

Im Schwedischen Fernsehen werden abends in den Nachrichten oft Statistiken gezeigt und sehr ausführlich erklärt. Dabei kann es sich z.B. um das Vorkommen von der Zunahme einer bestimmten Krebserkrankung handeln, Fahrradunfälle bei Kindern usw. Die Bevölkerung erhält somit detaillierte Informationen und es wird zum Mitdenken oder das Finden von Lösungsansätzen aufgerufen oder angeregt, Hypothesen aufgezeigt oder auf weitere Informationen verwiesen.

Somit müssen nicht immer Dinge in Gesetze gegossen werden, sondern die Bürgerin / der Bürger wird als mündiges Individuum wahrgenommen und wertgeschätzt und zum eigenen Handeln ermutigt und faktenbasiert befähigt.

Informationen sind in großer Breite und Tiefe somit zugänglich.

Tag 18 und 19 – Mälarbadiscamping

Wir sind auf einem kleinen Campingplatz in Torshälla gelandet, namens Märarbadiscamping. Verlässt man diesen, ist man unmittelbar an einem See mit einer kleinen Insel, auf der sich ein typisch schwedisches Haus befindet. Sehr idyllisch. Nur spazieren kann man hier leider nicht. Sehr viele Volvos, Saabs und BMW SUV‘s sind vor übergroßen Häusern geparkt. Alle Wege zum Wasser sind als privat gekennzeichnet.

Also konnte unsere Hundedame leider seit unserem Aufenthalt nicht schwimmen.

Raquel hält Ausschau nach einer Schwimmgelegenheit.

Jedoch hat uns die liebevolle Betreiberin des Campingplatzes auf Nachfrage einen kleinen Geheimtipp gegeben. So entdeckten wir aufgrund ihrer Wegbeschreibung einen versteckten Zugang zum See, sogar mit einem winzigen Sandstrand. Sie nannte ihn den inoffiziellen Hundebadesee.

Und als hätte Raquel es verstanden, nahm sie es dankbar an und schwamm, ohne wie üblich einem Stöckchen hinterher zu schwimmen, eine große Runde durch das kühle Nass. Groß in dem Sinne, was man als 11 jährige Hundedame noch so schafft. Ansonsten ist lesen und faulenzen angesagt. Denn hier, ca. 180 km von Stockholm entfernt, bekommen wir bei 31 Grad langsam dafür ein Gefühl, was in Deutschland zur Zeit im wahrsten Sinne des Wortes – gebacken ist.

Traumhaft sind hier die Sonnenuntergänge am See.

Mälardsbadcamping

Ein Wort zu den „Schweden und Schwedinnen“? – Freundlich, aufgeschlossen und auch neugierig auf den, der sie umgibt. Aber nicht aufdringlich, wie man es auf deutschen Campingplätzen teils erleben kann. Wertschätzend und hilfsbereit. Gegrüßt wird sich aufmunternd und danach lebt dann jeder wieder für sich. Vielleicht ist das so, wenn man bedenkt, dass 2020 die Bevölkerungsdichte in Schweden rund 25,4 Einwohnerinnen / Einwohner pro Quadratkilometer wohnen. In Deutschland hingegen 232 Menschen. So ist es bestimmt nicht verwunderlich, dass man ein Auge auf die Nachbarschaft in Schweden im positiven Sinne hat.

Angemerkt werden muss allerdings auch, dass aktuell 88% der Schwedinnen und Schweden wohnen in Städten. Die Land-Stadt-Flucht hat deutlich in den letzten Jahren zugenommen.

Und noch einmal etwas zum Thema gender pay gap. Der Campingplatz wird mit viel Liebe von einer Frau mittleren Alters mit ihrer Tochter betrieben. Und das führt mich dann wieder zur Statistik und Daten das Thema betreffend.

Wenn ich alle Errungenschaften Schwedens auf dem Gebiet aufzählen wollte, würde ich nur aus folgender und sehr interessanten Seite zitieren. Deshalb habe ich hier einen Link, bzw. eine Verknüpfung eingefügt.: https://www.fpi-lab.org/aktuell/fair-pay-schweden/

Ein lohnender Artikel – für Interessierte

Tag 17 – Kinnekulle in Hellekis

Heute haben wir einen langen Spaziergang am Kinnekulle (306 m) unternommen. Der Kinnekulle ist einer der Västgötaberge der westschwedischen Schichttafelberge.

Hier gibt es die größte Baumvielfalt bestehend aus Laub- und Nadelbäumen. Auf dem Kinnekulle selbst befinden sich mehrere Naturschutzgebiete und Seen. Kinnekulle ist das Gebiet mit der größten Konzentration von Liljestenar, also Liliensteine. Dies sind Sandsteinplatten, die mit einer stilisierten Lilie geprägt sind. Sie sind hier so häufig zu finden, dass sie, so sagt die Legende, als natürlich vorkommend von der Bevölkerung empfunden werden.

Ansonsten gilt es Ausspannen am Vänersee, den wir schon aus nördlicher Richtung her kennen.

So langsam planen wir aber auch schon das Ende der Reise. Es gibt noch einen Zwischenstopp für 2 Nächte an einem See in Mälarbaden in der schwedischen Provinz Södermanlands, bevor es dann nach Stockholm geht. Stockholm wird dann die letzte große Stadt auf unserer nordischen Reise sein.

Tag 16 – Hunneberg, Schloss Läcklö, Killekulle Camping

Heute verließen wir unseren Campingplatz in Säffle. Hier hatten wir gestern noch eine wunderschöne Wanderung machen können, was Raquel, unser Hund, sehr genossen hat. Und obwohl sie schon 11 Jahre alt ist, sprang sie über die kleinen Felsblöcke wie eine Bergziege und wurde durch eine Abkühlung im Vänernsee belohnt. Raquel ist nicht nur eine Bergziege, sondern in erster Linie eine Wasserratte.

Dieses Bild stammt allerdings aus Norwegen.

Von hier aus ging es zum Hunneberg. Der Hunneberg ist ein schwedischer Berg östlich von Vänersborg und Trollhättan. Dieser wird auch als Tafelberg bezeichnet. Die Felswände ragen ca. 100 Meter steil in die Höhe aus dem recht flachen Land auf. Fährt man von der falschen Seite mit dem Auto hoch, so wird es sportlich und „serpentinig“. Auf einem Plateau angekommen stellt man fest, dass dieses sehr große Ausmaße hat und sich hier zahlreiche Seen befinden. Und obwohl es die Hauptsaison des Reisens ist, verlaufen sich die wenigen Touristen vollends. Sollte man Elche entdecken wollen, so gab es der Reiseführer und zahlreiche Webseiten an, wäre auf dem Hunneberg die beste Möglichkeit. Doch kommen die scheuen Tiere wohl erst zur Dämmerung aus ihrem Dickicht. So war es uns leider nicht vergönnt, die Könige des Waldes zu sichten. Gerne würde ich an dieser Stelle ein selbstgezeichnetes Bild einfügen, aber das wäre dann wie beim kleinen Prinzen, dem Hut und dem Elefanten. Also lassen wir das lieber. Die Stelle haben wir uns für eine weitere Schwedentour markiert und wollen auf dem Hunneberg bestimmt noch einige Tage in absehbarer Zeit verbringen. Es ist schon erstaunlich, dass es doch noch so ruhige Orte auf der Welt gibt.

Von dort aus fuhren wir zum Schloss Läcklö. Dies war das krasse Gegenteil zum Hunneberg. Hier gab es fußballfeldgroße Parkplätze, „Busanleger“ und über das ganze Jahr verteilt, mächtige Musikkonzerte auf einer Festivalbühne. Ich kann kein Schwedisch. Aber bei uns hätte es Sommer der Folksmusik geheißen. Das bringt mich an dieser Stelle zu einer kleinen Abschweifung. Unterwegs nutzen wir oft die google Übersetzungsapp. Auch wenn sie wahrscheinlich nicht immer die genaue Übersetzung trifft, so doch stets den Kontext. Mein Lieblingsbeispiel ist: Das Betreten des Badezimmers ist dem Hund nicht gestattet – für ein partielles Badeverbot von Hunden an einem Strandabschnitt.

Das Schloss ist schon beeindruckend groß. Apropos GROß. Manche Dinge möchte man einfach nicht wissen. So entdecke ich immer wieder die zimmerartigen Ausstülpungen an Schlössern und Burgen, die zur Notdurftverrichtung angeflanscht sind. So auch hier. Sie sehen aus, als ob man eine große und kantige Nase mit Knetgummi an ein viereckiges Gesicht klatscht, und nicht aus der Masse insgesamt herausgearbeitet hat. Und dann ist meine Fantasie viel zu weitreichend und wird beflügelt durch die weiße Kalktünchung des Schlosses. Dieser Anbau heißt übrigens Aborterker.

Was uns wieder zur Schönheit der Landschaft bringt, in die das Schloss sich gut einfügt. Hier kommen einige Impressionen.

Nun sind wir am südlichen Teil des Vänernsee auf dem Campingplatz Killekulle. Direkt am Wasser und in der Nähe eines kleinen Leuchtturms. Ich freute mich darauf ihn zu fotografieren, da ich weiß, dass der liebe #Planet_Kai diesen Blog liest und ein großer Freund kleiner und großer Leuchttürme ist.

Leuchtturm am Vänersee

Tag 15. – Mind the Gap – Gedanken zu Norwegen (#gender_pay_gap, #mental_load)

Meine Frau und ich, wie ihr vielleicht wisst, veröffentlichen in regelmäßig-unregelmäßigen Abständen den tacheles-podcast (tachelespodcast.de) zum Thema Feminismus, Ungleichheit, Chancen uvm. Themen, die uns interessieren und über die einmal Tacheles geredet werden sollte.

Eines, das wir bereits behandelten oder auch immer wiederkehrend im Podcast aufgegriffen haben, ist das des gender pay gaps.

Der Gender Pay Gap beschreibt den geschlechts­spezifischen Verdienst­unterschied zwischen Frauen und Männern.

https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Verdienste/Verdienste-Verdienstunterschiede/gender-pay-gap.html

Die Genderlücke bezieht sich nicht nur auf die Ungleichheit bei der Bezahlung für die gleiche Arbeit von Frauen und Männern. Sie ist viel umfassender und findet sich in vielen Bereichen unserer Gesellschaftsstruktur wider. Um nur einige Beispiele zu nennen wären da noch: die Gender Pension Gap (die Rentenlücke in der Altersvorsorge) oder die Gender-Data-Gap (Datenlücke bei der Datenerhebung). Interessant sind auch noch folgende Punkte zu nennen: Verteilung von Posten in Führungsetagen, die Berufswahl und die Bildungschancen. Außerdem ist es unerträglich zu wissen, dass alleinerziehende Mütter zu 43% als einkommensarm gelten. Somit ist die Altersarmut von vormals Alleinerziehenden, vorprogrammiert. (Datenquelle: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2021/juli/armutsrisiko-von-alleinerziehenden-verharrt-auf-hohem-niveau Die Quote der Alleinerziehenden Mütter liegt bei 88%.

Und dann stieß ich, als ich mich näher im Vorfeld mit Norwegen beschäftigte, eben auf dieses Thema und welchen Weg zur Schließung der Genderlücke Norwegen bereits erfolgreich gegangen ist. Um dies zu belegen, habe ich hier einen Auszug aus der Seite des OECD.

Dies ist ein Auszug aus der Seite, die etwas unterhalb ihre Quellenangabe findet:

Norwegian women have high education and employment participation compared with other OECD countries. Boys often lag behind in student performance in secondary schools, and girls outnumber boys in successfully completing upper secondary education within the stipulated time by more than 15 percentage points. Young women made up 58% of students entering tertiary education in 2009.
In 2011, 73% of Norwegian women aged 15-64 were employed, about 16 percentage points above the OECD average. The gender gap in labour force participation has halved over the last two decades to 5 percentage points in 2011. The Norwegian systems of student financing, parental leave and affordable formal child care of high quality has played an important role in achieving these results. In Norway, women occupy 40% of parliamentary seats and 40% of board seats in listed companies, as related to the introduction of the legal requirement in 2006 that both men and women have to make up at least 40% of boards of companies listed on the stock exchange (and a range of other companies).
Young women may have overtaken young men in levels of educational attainment, but there remain persistently wide gender gaps when it comes to the field of study: in 2010 the proportion of tertiary degrees awarded to Norwegian women was 83% in health and welfare studies but only 20% in computer sciences. Because of the different educational choices, female employment tends to be concentrated in fewer occupations than men: in 2009, half of the working women in Norway were employed in seven occupations while this concerned 14 occupations for men.

https://www.oecd.org/norway/Closing%20the%20Gender%20Gap%20-%20Norway%20en.pdf

Was mir insgesamt im Kleinen und im Großen in Norwegen während unserer Reise aufgefallen ist, möchte ich kurz darstellen.

Wenn man ganz einfach anfangen möchte. Zuerst einmal sind es die Toiletten. Hier wird nicht zwischen Männlein und Weiblein unterschieden. Und dies ist auch bei den Duschen häufig der Fall. Die Duschkabinen sind für jedes Geschlecht in einem Raum vereinigt. Und vorbildlich ist auch der Zugang zu den sanitären Anlagen. Überall gibt es Rampen und die Türen öffnen sich zumeist automagisch.

In Einkaufsläden und Einkaufsketten sah man, im Gegensatz zu Deutschland, viel mehr Verkäufer arbeiten.

Und dann war da noch das Problem mit unserem Zigarettenanzünder im Auto. Dieser scheint einen Wackelkontakt zu haben. Dieser ist für uns von großer Bedeutung, damit wir auf der Fahrt unsere Powerstation aufladen und hierüber unsere Kühlbox betreiben können. Zwar nutzen wir überwiegend das Solarpanel… aber das führt an dieser Stelle zu weit. Wir fuhren also kurzentschlossen zu einem Renaulthändler. Die Frau am Empfang überlegte kurz und versuchte einen Mechaniker herbeizurufen. Dieser hatte aber eine Reparatur durchzuführen, die noch eine halbe bis eine Stunde dauern könnte. Sie bot uns einen Kaffee an, nahm unseren Autoschlüssel entgegen und verließ den Empfangsbereich. Dabei begann sie mit der Diagnose und konnte schon erste Hypothesen aufstellen und Vieles ausschließen, was der Mechaniker hätte untersuchen müssen. Auch wenn ich damals Englisch als Leistungskurs am Abendgymnasium belegt hatte, war ich von ihrem Englisch angetan und sie stellte mein „Gestammel“ vollends in den Schatten, abgesehen von ihrer Fachkompetenz und unermesslichen Freundlichkeit. Da ihr die Wartezeit als zu lange für uns erschien, zumal wir mit Hund unterwegs sind, rief sie umgehend eine Dependance an und reservierte dort für uns einen freien Mechaniker. Dieser half uns umgehend und verwertete dabei bereits die Erkenntnisse und die Hypothesen der Dame aus Jessheim. Und auch in der Dependance konnte ich wahrnehmen, wie die junge Frau am Empfang neben ihren Aufgaben im Verwaltungsbereich, Reparaturen und Aufträge an den Autos übernahm.

Dies kenne ich aus Deutschland anders und habe hier den direkten Vergleich, weil nicht vor allzu langer Zeit, mein Auto in der Inspektion war. Hier gab es eine klar hierarchische Struktur und es schien, als hätten die Männer die Herrschaftsmacht. Anfragen wurden teils von den Empfangsdamen in demutsvoller Haltung an die Mechaniker weitergeleitet. Und mir wurde zu verstehen gegeben, dass ich in 1/1/2 Stunden wiederkommen sollte, der Mechaniker hätte nun Mittagspause. Ganz anders die Dame aus Norwegen, sie fragte nach, machte Vorgaben und wie beschrieben, kümmerte sie sich mit viel Sachverstand bereits selber um die technische Angelegenheit.

Egal ob Mann oder Frau. Stets habe ich eine Zugewandheit und Höflichkeit erlebt, die vielleicht aus diesem Fundus der größeren Gleichberechtigung schöpft. Wie heißt es in London immer so schön an U-Bahn-Stationen? Mind the gap. Eigentlich soll er die Zugpassagiere vor der Lücke zwischen dem Bahnsteig und den Türschwellen der Bahn warnen. Vielleicht sollten wir diesen Ausspruch aber auch zu unserem Mantra machen. Es scheint sich Vieles aus dem Schließen dieser künstlich herbeigeführten Lücke zum Guten zu wenden. Nur hüten sollten wir uns vor den Rückwärtsgewandten, die überall wie übelriechende Stinkmorcheln ihre bösen Fratzen zeigen.

Doch gibt es auch in Norwegen noch einige Menschen, die noch nicht auf den Zug der Gleichberechtigung aufgesprungen sind. Für diese möchte ich stellvertretend den Campingplatzbetreiber mit den sanitären Anlagen der 70er erwähnen. Dieser hatte die Spül- und Waschmaschinen in den Damentoilettenbereich verfrachtet. Dies ist wohl ein eindeutiges Statement. Auch war der Toilettenbereich absolut nicht behindertengerecht. Wie erschrak ich nachts um 2:00 Uhr, als ich zur Toilette musste und seine Frau neben dieser hockte und dabei war die WCs zu schrubben. Der Herr war wahrscheinlich im Reich der Träume. Er saß zumeist mürrisch am Empfangstresen oder fuhr gelangweilt mit dem Rasenmähertraktor über die Anlage.

Aber der Wandel in Norwegen ist trotzdem deutlich spürbar und ist in so vielen Kleinigkeiten zu erkennen. Laut einiger NGOs, wirft Corona diese Entwicklung in allen Ländern zurück. Frauen wurden in den westlichen Ländern in der Pandemiezeit häufiger entlassen als Männer. Doch sollten wir dieses Ziel der Lückenschließung nicht aus den Augen verlieren und jeden Tag gemeinsam daran arbeiten diese zu verkleinern oder zu schließen.

Aus eigener Erfahrung kann ich als Sonderpädagoge sagen: Es fühlt sich sehr gut an, wenn man mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen arbeiten darf, wenn Führungspositionen weiblich als auch männlich besetzt sind und alle das gleiche Geld für die gleiche Arbeit bekommen. Naja, fast. Wäre da nicht die Elternzeit, die finanziell sich stark auf die spätere Pension auswirkt. Wo bleibt hier die Anerkennung der care Arbeit?

Wer sich hiermit näher beschäftigen will, dem empfehle ich das Buch: Raus aus der mental load Falle von Patricia Camerata.

Mind the gap.

Tag 13/14 Farvel Norge – Hej Sverige – oder der Versuch eines Eskapismus

Hier haben wir die letzten Tage verbracht und uns entspannt.

CC – BY – NC

Entspannen für ein neues Schuljahr mit bestimmt neuen Herausforderungen an einer Förderschule mit Schülerinnen und Schülern mit dem Förderbereich emotionale und soziale Entwicklung. Die Gaskrise kann uns im Klassenraum nichts mehr anhaben, da wir sowieso so oft bei offenem Fenster bei Kälte der Coronakrise getrotzt haben. Doch es gilt auch immer wieder den Krieg zu erklären und die fadenscheinigen Argumente, die benutzt werden, um andere zu demütigen und ihnen die freie Wahl und Souveränität abzusprechen. Kraft tanken, um mit den Ängsten der Kinder umzugehen, die zuletzt auch die eigenen sein können und teilweise sind. Ein Hoch auf den temporären Eskapismus.

Aber zurück zur Realitäts- und Weltflucht. Konzentrieren auf das, was aktuell wichtig ist.

Meine aktuelle Lektüre…
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Dieses Bild habe ich nachts um ca. 2 Uhr aufgenommen. Das war der dunkelste Zeitpunkt des Tages. Einfach faszinierend.

Aber auch das Foto muss ich euch unbedingt noch zeigen.

CC – BY – NC

Ok. Es steht etwas im Kontrast zu den anderen, aber dies weckt Erinnerungen. So sahen viele Campingtoiletten in meiner Kindheit in den frühen 70ern aus. Und als mich meine Frau fragte, wie viel Geld man benötigen würde, sagte ich 1 Mark. Ich habe mich direkt nach der Einführung der DM unheimlich bemüht, nicht mehr im Kopf alles umzurechnen, so konnte ich doch recht schnell den Wert des Euro bezogen auf mein Leben internalisieren. Für mich ist der europäische Gedanke ein erstrebenswerter und sehr schöner. Umso mehr war ich von dieser emotionalen Rückblende überrascht und auch verdutzt.

Aus zeitlichen Gründen und weil wir auch neugierig auf Schweden sind, haben wir Norwegen nun verlassen und sind nach Schweden gefahren.

Unser Lager schlugen wir in der Nähe von Säffle am Vänernsee auf.

Vänern ist ein See im Südwesten von Schweden gelegen zwischen den historischen Provinzen Dalsland, Värmland und Västergöttland. Mit seiner Fläche von 5.519,1 km2 ist der größte See der Europäischen Union sowie nach dem Ladogasee und dem Onegasee der drittgrößte See Europas.

https://de.wikipedia.org/wiki/Vänern

Nun fängt also ein neuer Reiseabschnitt an.

Farvel Norge.

Hej Sverige

Tag 11 – vom Eidfjord nach Hamar

Eigentlich wollten wir am Eidfjord für zwei Tage bleiben. Jedoch ritt eine Schlechtwetterfront mit lautem Hufschlag auf uns zu und dies um zu bleiben. Daher beschlossenen wir kurz entschlossen, nach Hamar zu fahren.

Für die nahezu 316 km haben wir geschlagene 7 Stunden gebraucht. Auch wenn die lange Passüberquerung extrem anstrengend war. Konnten wir wunderschöne Eindrücke gewinnen.

Dafür fanden wir am Mjøsa-See eine wunderschöne Übernachtungsmöglichkeit vor. Natürlich auf einem Campingplatz. Unser Stellplatz ist direkt am See.

alle Bilder stehen unter der Lizenz CC BY NC

Tag 10 – Besonderheiten: Soll ich tunneln oder passen?

Die Frage mutet fußballerisch an. Ist sie aber nicht. Ich fahre schon seit 1985 Auto. Doch hier wird das fahrerische Vermögen noch einmal richtig auf die Probe gestellt. Ob es nun enge einspurige Fjordstraßen mit Gegenverkehr sind, Tunnel, die schier unendlich erscheinen oder Passstraßen, vorbei an Gletscherseen und Schneefeldern.

Aber auch die kleinen Gässchen innerhalb vieler norwegischer Städtchens haben es in sich. Genau wie bei den Fjordsträßchen, kommt es nicht selten vor, dass man rückwärts wieder den engen Weg wegen des Gegenverkehrs zurücksetzen muss.

Einsamkeit auf dem Hochplateau. Wie mag es hier den Leuten im Winter ergehen, wenn das Tageslicht sich kaum noch sehen lässt?

Die Tunnel verlaufen nicht wie bei uns auf gleicher Höhe, sondern haben auch schon einmal ein Gefälle von 7-10%. Toll gemacht ist hier aber, dass die Beleuchtung stets bei der Einfahrt auf Tageslicht gestellt ist und sich dann langsam abdunkelt und umgekehrt, dass die Helligkeit einige 100 Meter vor Ausfahrt des Tunnels wieder auf Tageslicht zunimmt. So fährt man aus dem Tunnel und wird selbst bei Sommersonnenschein nicht geblendet.

Die Kreisverkehre kannte ich so nicht, dass man sich rechts einordnet, wenn man die erste Ausfahrt nimmt und mittig, verlässt man den Kreisverkehr später. Hierbei blinkt man dann beim Einfahren links, so dass andere Teilnehmer, die den Kreisverkehr einfahren wollen, eine Orientierung haben.

80 Stundenkilometer auf Autobahnen ist oft der Standard. Wobei Autobahnen im Vergleich bei uns recht enge Landstraßen wären. Fährt man Passstraßen mit 80, so kommt man ganz schön ins Schwitzen. Zumal auf der letzten Etappe auch noch keine Leitplanke vorhanden war. Stattdessen staken alle 10 Meter dünne, aber hohe Rundhölzer als Begrenzung im Boden neben der Fahrbahn. Unsere Vermutung war, dass dies wegen des Schnees im Winter so ist und dass man dadurch den Weg erkennen kann.

Doch auch der Phobiker kommt hier zu seinem individuellen Angsterleben. Das ist vielleicht drastisch ausgedrückt. Doch die Passstraßen ohne Leitplanke fahren oder 10% Gefälle bei der Einfahrt in einen Tunnel, das waren schon Herausforderungen. Da ist es gut, wenn man zu zweit fährt und sich abwechseln kann, wenn die Tagesform nicht entsprechend ist oder die Müdigkeit zunimmt ob des Schwindens der Konzentration.

Auch sollte man sich gut gewappnet fühlen, seinen Stil zu fahren. Es passierte uns häufiger, dass, fuhr man aus Gründen nur 70 km/h, norwegische LKW Fahrer einen beim Serpentinenbergabfahren, anblinkten oder auch überholten.

Zum Abschluss noch zwei Erlebnisse aus dem Kuriositätenkabinett.

Es gibt doch tatsächlich Tunnel, die nach 6 km Länge einen Kreisverkehr haben. Das mutet an, als wäre man im Phantasialand in einem Höhlennachbau und stünde dort an einem bunt leuchtenden Kettenkarussell.

Willkommen im Spieleparadies – oder ist es doch ein Kreisverkehr?

Das andere Kuriosum war für uns, dass wir den aktuell noch längsten Tunnel und auch den tiefsten durchfuhren. Es ist der in Westnorwegen gelegene Ryfylketunnel. Der 14,4 Kilometer lange Tunnel liegt am tiefsten Punkt 292 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit der längste und tiefste Unterwasserstraßentunnel der Welt.

Und wir sind uns so sicher, dass wir über uns Walgesänge von Orkas gehört haben. Aber wetten darauf, wollen wir nicht.

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